Einleitung: Erbengemeinschaft in der Schweiz

Die Erbengemeinschaft ist die von Gesetzes wegen mit dem Tod des Erblassers und im Falle des Vorhandenseins mehrerer Erben entstehende, bis zur Erbteilung befristete Gemeinschaft zur gesamten Hand.

Die Erbengemeinschaft ist ein schwerfälliges Institut, weil es

  • nur als Übergangsform bis zur Liquidation konzipiert ist.
  • das Einstimmigkeitsprinzip aller Erben vorsieht.
  • für die Erneuerung der meist alternden Nachlassaktiven wie Immobilien usw. wenig geeignet ist.

Daher sind Erbstreitigkeiten in Erbengemeinschaften sehr verbreitet.

Begriffe zur Erbengemeinschaft im Schweizer Erbrecht

Erbengemeinschaft

=   von Gesetzes wegen mit dem Tod des Erblassers und im Falle des Vorhandenseins mehrerer Erben entstehende, liquidations-orientierte Gemeinschaft zur gesamten Hand.

Fortgesetzte Erbengemeinschaft

=   Erbengemeinschaft, bei der die Erben einen (befristeten oder unbefristeten) Teilungsausschluss vereinbaren, ohne eine einfache Gesellschaft (OR 530 ff.) oder Gemeinderschaft (ZGB 336 ff.) eingehen oder das Gesamthandverhältnis in Miteigentum umwandeln zu wollen.

Reduzierte Erbengemeinschaft

=   Erbengemeinschaft, bei der ein oder mehrere Erben ausgetreten sind und, die unter den verbleibenden Miterben fortgesetzt wird

Erben-Gemeinderschaft

=   Erbengemeinschaft, bei der die Teilung aufgeschoben ist und die in gemeinsamer wirtschaftlicher Tätigkeit fortgesetzt wird.

Erbteilung: Liquidation der Erbengemeinschaft

Die Erbengemeinschaft bildet eine Übergangsorganisation bis zum Abschluss der Erbteilung: Die Erbteilung ist die Liquidation der Erbengemeinschaft durch Zuweisung der Nachlassgegenstände ins Alleineigentum der Erben, nach Tilgung oder unter Übernahme der Erblasser-, Erbfolge- und Erbengemeinschaftsschulden:

Rechtsnatur der Erbengemeinschaft

Die Erbengemeinschaft ist eine Gesamthandgemeinschaft ohne eigene Rechtspersönlichkeit.

Nachlassaktiven

Die Nachlassgegenstände werden im Gesamteigentum zufolge Erbengemeinschaft gehalten.

Das Gesamteigentum erstreckt sich selbstverständlich auch auf Gegenstände, für die der Erblasser Dispositionen getroffen hat, wie Gegenstände, auf die ein Erbe ein Teilungsvorrecht besitzt, Vermächtnisgegenstände und Gegenstände, die in Erfüllung einer Auflage herauszugeben sind.